Täglich fahren Tausende über die A 12 – und niemand hat von dieser unbekannten Tierart gewusst

Datum: 
21. September 2015

Der Insektenforscher Hannes Baur hat zwei neue parasitische Wespenarten beschrieben. Eine davon wurde in einer unscheinbaren Autobahn-Unterführung bei Niederwangen BE entdeckt.

Die Schweiz ist ein Land mit einer sehr gründlich erforschten Fauna. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Wissenschaftler neue Spezies entdecken. Dies ist jüngst unserem Wespen-Spezialist Hannes Baur gelungen: Die beiden neu beschriebenen parasitischen Wespenarten Pteromalus briani und Pteromalus janstai gehören aufgrund ihrer glänzend grünen Farbe zu der Gruppe der Erzwespen und verfügen über äusserliche Merkmale, die innerhalb der Gruppe einmalig sind. Der Wespenspezialist Hannes Baur vom Naturhistorischen Museum Bern hat die beiden Arten untersucht und seine Forschungsergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift ZooKeys veröffentlicht.

Aus der Schmetterlingspuppe schlüpften kleine Wespen

Besonders erstaunlich ist die  Trivialität der beiden Fundorte von Pteromalus briani. Der erste Zufallsfund wurde in Niederwangen bei Bern in einer Autobahnunterführung gemacht. Täglich wird die A 12 von Tausenden von Autofahrern benutzt – ohne zu wissen, dass sie den Lebensraum einer bislang unbekannten Tierart überqueren. Der Fund ging wie folgt von statten: Eine Museumsmitarbeiterin fand auf dem Weg zur Arbeit eine Puppe des Admirals, einer häufigen Schmetterlingsart. Nach einiger Zeit schlüpften daraus 50-60 Wespen statt eines Schmetterlings. Das zweite Mal wurde P. briani von einer Maturandin in Kien bei Thun entdeckt.  Diese sammelte für ihre Maturarbeit auf Brennnesseln Raupen des Kleinen Fuchses, ebenfalls eine häufige Art. Aus der Puppe schlüpften ebenfalls nur kleine Wespen derselben Art. Beide Funde landeten bei Hannes Baur – einem ausgewiesenen Wespen-Experten. Er stellte fest, dass es sich um eine neue Erzwespen-Art handeln muss.
Die zweite neu beschriebene Erzwespe, Pteromalus janstai, wurde auf der Lauchernalp, im Wallis 2000 m. ü. M. auf einer Lärche gefunden.
Die parasitischen Wespen legen ihre Eier in Raupen oder Puppen anderer Insekten. In der Schweiz gibt es rund 6000 verschiedene Arten. Sie sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht und können auch gezielt zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden.