Tapetenwechsel für Saurierskelett

Datum: 
21. Juli 2015

Flächenbrände, vertrocknete Schlammwüsten und Spuren heftiger Regenstürme – so sah die Welt aus, in der die Plateosaurier vor über 200 Millionen Jahren lebten. Das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern präsentiert sein rekonstruiertes Skelett neuerdings vor spektakulärer Kulisse.

Seit 1998 steht das exakt nachgebildete Skelett eines Plateosauriers im Naturhistorischen Museum Bern. Nun darf es sich richtig heimelig fühlen. Der Rekonstruktionsspezialist und Künstler Robert Nicholls hat in Zusammenarbeit mit unserer Paläontologin Ursula Menkveld eine Leinwand gestaltet, die der natürlichen Umgebung des Pflanzenfressers entspricht.

Das drei auf fünf Meter grosse Bild zeigt eine dramatische Landschaft und zeugt vom ruppigen Klima, das durch das Zusammenspiel monsunartiger Gewitter und den darauf folgenden Dürren gekennzeichnet war. Charakteristisch waren sogenannte Galeriewälder – Wälder, die entlang von Flussufern wachsen. Während der Dürren wichen die Flüsse vertrockneten Schlammwüsten, in denen sich zurückgelassenes Schwemmholz türmte. Kohlereste zeigen, dass auch Flächenbrände wüteten – es genügte wohl ein Blitzschlag um die angehäufte Biomasse und die ausgedörrten Wälder zu entzünden.

Die Plateosaurier bevölkerten vor rund 210 Millionen Jahren Mitteleuropa. Man nimmt heute an, dass sie auf zwei Beinen gingen – wie die kleine Gruppe, die auf der Darstellung zu sehen ist. Als das Skelett vor rund zwanzig Jahren nachgebildet wurde, war man sich dessen noch nicht gänzlich sicher – der Saurier wurde daher grabend dargestellt. Ihre kräftigen Krallen nutzten die Saurier, um im Boden nach Wurzeln und Knollen zu suchen. Möglicherweise gebrauchten sie diese auch um sich gegen Feinde zu wehren. Mit ihren scharfkantigen Zähnen rissen sie Pflanzen ab und verschlangen sie unzerkaut. Paläontologen gehen davon aus, dass sich die Pflanzenfresser gelegentlich auch von Kadaver ernährten – dies aufgrund der Zähne, die an jene von Krokodilen erinnern. Nicht nur Landschaft, Klima und Saurier – auch die abgebildeten Pflanzen sind allesamt paläontologisch verbürgt.           

Puzzlespielen wird zum Knochenjob

Das Saurierskelett im Naturhistorischen Museum ist ein richtiges Puzzle: Es ist aus Kunststoff-Abgüssen verschiedenster Knochenfunde zusammengebaut. Die Mehrzahl stammt aus Frick im Kanton Aargau. Die wertvollen Saurierknochen wurden dafür mühevoll vom Gestein befreit. Doch auch die Gesteinsschichten sind von wissenschaftlichem Wert: Sie können Spuren und Ablagerungen enthalten, die das Klima offenbaren, in welchem das Tier einst lebte. Die Tongrube in Frick ist eine der wichtigsten Plateosaurier-Fundstellen Europas. Anfang Monat hat ein Grabungsteam hier das grösste zusammenhängende Saurierskelett freigelegt, welches je in der Schweiz gefunden wurde.

Ein grosser Dank geht an den Verein des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern, der die Leinwand und bereits auch schon das Skelett finanziert hat.