Forscher finden Höhlenschrecke im Militärstollen

Datum: 
14. Oktober 2013
Forscher finden Höhlenschrecke im Militärstollen

Tagtäglich werden weltweit neue Insektenarten entdeckt. In der Schweiz aber ist die Fauna sehr gut erforscht – Erstnachweise sind rar. Daher ist die Publikation des Insektenforschers Hannes Baur vom Naturhistorischen Museum Bern bemerkenswert: Zusammen mit einem Fachkollegen ist er im St. Galler Rheintal auf ein Höhlenschrecke gestossen, die eigentlich gar nicht hierher gehören würde – so zumindest lautete die bislang gängige Ansicht in der Wissenschaft.

 
Es war ein Zufallsfund. Der Biologe René Güttinger kundschaftete im St. Galler Rheintal Stollen aus mit dem Ziel, diese als Winterquartiere für Fledermäuse aufzuwerten. In der Nähe von Wartau, in einem Militärstollen aus dem Zweiten Weltkrieg, stiess er auf ein Tier, das er zuvor noch nie gesichtet hatte: eine Höhlenschrecke. Er machte Fotos und  schickte sie zur Begutachtung an Hannes Baur, Heuschreckenspezialist am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern. Diesem fiel gleich auf, dass es sich um eine hierzulande unbekannte Art handelt: Krauss’ Höhlenschrecke (Troglophilus neglectus). Solche Erstnachweise neuer Ar-ten sind in der Schweiz selten – da unsere Lebensräume sehr gut erforscht sind.
 
Das Hauptverbreitungsgebiet der Höhlenschrecke liegt im südlichen Österreich und im Balkan – nördlich der Alpen wurde das Insekt bislang an nur vier Orten in Deutschland und Tschechien gefunden. Bislang ist die Fachwelt davon ausgegangen, dass diese kleinen Populationen eingeschleppt wurden. Dem widersprechen die beiden Höhlenschrecken-Entdecker: Sie sind sich sicher, dass sich Troglophilus neglectusüber die Jahrtausende in der Schweiz entwickelt hat – man spricht hierbei von einem autochthonen Vorkommen. 
 
Grund für diese Annahme: Die Fundstelle liegt an keiner Transportroute.  Auch ist es un-wahrscheinlich, dass diese seltene Art als Haustier gehalten wurde. Die Lebensraumansprüche sind an der klimatisch milden Lage erfüllt, die Schrecke ist wärmeliebend und bevorzugt Kalkstein-Formationen. Die Forscher fanden die Sechsbeiner 15-25 Meter vom Eingang entfernt an den feuchtesten Stellen. 
 
Publikation 
http://www-nmbe.unibe.ch/sites/default/files/uploads/baur_guttinger_-_2013_-_first_record_of_the_cave_cricket_troglophilus_neglectus_ensifera_rhaphidophoridae_in_switzerland_-_a_new_indigenous_site_north_of_the_main_distribution_area.pdf
 
 
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