Zum fünften Mal über 100'000 BesucherInnen!

Datum: 
11. Januar 2016

2016 ist das Elefantenjahr – 2015 ein Jahr, das unvergessen bleibt

 

2015 war ein Jahrgang, der in der Chronik des Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern seine Spuren hinterlassen wird: Mit der Ausstellung Rock Fossils und anderen Highlights erlebte das Haus ein denkwürdiges Jahr. Mit 107'845 Eintritten kann das Museum nun schon im fünften Jahr hintereinander die magische 100’000er-Grenze knacken. Das neue Jahr wird von dünnhäutigen Dickhäutern geprägt sein: den Elefanten. 

 
Ein kleines Jubiläum: Zum fünften Mal in Folge hat das Naturhistorische Museum die in der hiesigen Museumswelt wichtige Grenze von 100'000 Eintritten überschritten. Im vergangenen Jahr besuchten 107'845 Besucherinnen und Besucher Berns ältestes Museum. Dies entspricht zwar einem Rückgang im Vergleich zum letzten Jahr (2014: 116'445). Dennoch ist das Haus zufrieden mit dem Ergebnis. Denn bekanntlich ist das Museums-Geschäft stark wetterabhängig: Das warme Wetter schlug sich zweifellos in den Besucherzahlen nieder. Setzt man diese nämlich ins Verhältnis zum Wetter, war 2015 sogar ein sehr erfolgreiches Jahr. Das zeigt der vom Museum erhobene «Sonnenschein-Index», der auf Daten von Meteo Schweiz basiert: Der Wert des vergangenen Jahrs liegt bei 121 – und damit über dem Wert des Vorjahres (108) und dem Mittelwert der vergangenen acht Jahre (113). 
 
«Rock Fossils»: Souvenir einer verstorbenen Legende
Ein Highlight des vergangenen Jahres war die Sonderausstellung «Rock Fossils», die das Naturhistorische Museum Bern aus Skandinavien aufs europäische Festland holte (18. März bis 31. Mai 2015). Die Ausstellung beleuchtete die heimliche Liebelei zwischen Paläontologie und harter Rockmusik. In der Paläontologie gibt es eine Menge Wissenschaftler, die nicht nur Fossilien lieben, sondern auch der harten Rockmusik frönen. Die Ausstellung wurde spektakulär eröffnet: mit einem Gratiskonzert der international erfolgreichsten Schweizer Band der Gegenwart, den Folkmetallern von Eluveitie. Das Museum hat der Band ein Fossil gewidmet: Die neue fossile Seeigel-Art Paracidaris eluveitie wurde in einer Publikation (Hostettler & Menkveld-Gfeller 2015) beschrieben – der Name ist damit offiziell. Zum Schluss der Ausstellung gabs noch eine ehrenvolle Überraschung: Lemmy Kilmister himself, kürzlich verstorbener Frontmann der legendären Motörhead, liess uns ein Bild zukommen – mit dem T-Shirt der Ausstellung. Lemmy ist in der Ausstellung als fossiler Borstenwurm verewigt.
 
«Tierschmuggel» zieht das Publikum in seinen Bann
Ebenfalls ein Highlight war die Eröffnung der aktuellen Sonderausstellung Tierschmuggel im November (bis 26. Juni 2016). Sie zeigt Objekte, die am Schweizer Zoll konfisziert wurden. Die Ausstellung erzählt unglaubliche Episoden, wie Schmuggler ihre Ware zu verstecken versuchen. Und sie deckt überraschende Hintergründe auf – etwa, dass man in gewissen Fällen eine Tierart auch gefährden kann, wenn man sie unter Schutz stellt. Die Objekte stammen vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das Objekte seiner Asservatenkammer zur Verfügung stellt. Medienecho und Publikumsinteresse sind äusserst erfreulich, so berichtete unter anderem die Hauptausgabe der Tagessschau. 
Das läuft 2016: Am 2. Februar startet die erste Ausgabe von vier Podiumsdiskussionen, an denen Experten umstrittene Aspekte des Themas diskutieren. Das gesamte Rahmenprogramm: www.tierschmuggel.ch
 
«Bar der toten Tiere»: Nachtlärm-Konflikt verhindert
Das Naturhistorische Museum setzt in seiner Strategie auf unkonventionelle Anlässe, die auf erfrischende Art und Weise Naturthemen vermitteln und ein heterogenes Publikum ins Haus locken – dies unter dem Veranstaltungslabel «Hilfe, es lebt!». Der grosse Publikumsrenner war auch im vergangen Jahr die «Bar der toten Tiere». Über 5000 Gäste frequentieren an den ersten sieben Ausgaben im Herbst 2015 die Bar. Der Andrang war so gross, dass die Abende seit Dezember neu Eintritt kosten. Zudem wurde der Zugang beim Haupteingang gesperrt wegen Nachtlärm-Problemen. Die Massnahmen haben sich bewährt, die Atmosphäre in der Bar hat gewonnen und ein weiterer Nachtlärm-Konflikt in Bern konnte verhindert werden. 
Auch die weiteren «Hilfe, es lebt!»-Formate verliefen äusserst erfolgreich: Die zweite Ausgabe des «Mad Scientist Festival» stiess unter anderem mit einer Schaben-Installation tierethische Diskussionen an. Die 15 Ausgaben von «Winterbergs Überstunde» waren einmal mehr fast immer voll. Die dritte Ausgabe von «Durch die Gänge» hat das geschlossene Restaurant  «&Söhne» wieder aufleben lassen. Und mit «Unter dem Finnwal» wurde eine neue Veranstaltungsreihe geschaffen – die erste Ausgabe brachte Gülsha, Hazel Brugger und Fitzergerald & Rimini auf die Bühne. 
Das läuft 2016: Die zweite Runde von «Unter dem Finnwal» wird Frölein Da Capo bestreiten (7. Und 8. April). 
 
Matto Kämpf irrt durchs Museum, oder: ein etwas anderer Geschäftsbericht
«Gäbe es einen Preis für den originellsten Geschäftsbericht, er ginge ans Naturhistorische Museum Bern», schrieb die Berner Zeitung anfangs Jahr. Wir haben im letzten Jahr die Macher von «Experiment Schneuwly» beauftragt, uns einen Geschäftsbericht in Form eines Kurzfilms zu realisieren – mit Matto Kämpf in der Hauptrolle. 
Das läuft 2016: «Büsu 2» ist bereits in Arbeit und wird im März veröffentlicht.  
 
 

Ausblick 2016: Elefantenjahr

Dieses Jahr wird im Naturhistorischen Museum Bern das Elefantenjahr ausgerufen. Unser Haus hat nicht nur einen lebensgrossen, goldenen Elefanten auf dem Dach, es weist auch überraschend viele Bezüge zu den dünnhäutigen Dickhäutern auf – zudem jährt sich der Abschuss des «Elefant von Murten» zum 150. Mal. Mehrere permanente Sehenswürdigkeiten werden präsentiert und mehrere Veranstaltungen sind geplant (das gesamte Programm entnehmen Sie dem angehängten Flyer). 
150 Jahre Elefant von Murten: Im Juni 1866 wurde in Murten ein durchgebrannter Zirkuselefant mit einer Kanonenkugel erschossen. Das Skelett ist bei uns ausgestellt. Zudem findet am 29. Juni 2015 eine Podiumsdiskussion mit zwei profunden Kennern statt. Das Jubiläum wird auch in Murten begangen (www.elefanticum.ch).  
Bernhard Luginbühl, Plan für ein Elefantengrab: Der Plastiker war fasziniert von der Geschichte des Murtener Elefanten, daraus entstand ein Werk, dass wir ein Jahr lang der Öffentlichkeit präsentieren können. Ausgeliehen von der Helvetia Kunstsammlung. 
Iwan Luginbühl: Das Museum stellt dem Künstler und Sohn von Bernhard Luginbühl «Jenny» zur Verfügung, ein älteres Elefanten-Präparat. Iwan Luginbühl wird daraus eine Skulptur erschaffen (Vernissage: 22. September 2016). 
«Von-Wattenwyl-Elefant»: Das eindrückliche Präparat stammt von der Jagd-Safari von Bernard und Vivienne von Wattenwyl nach Ost- und Zentralafrika in den Jahren 1923/24. Bernhard liess auf der Safari sein Leben, seine Tochter erlangte Ruhm als Schriftstellerin – und wurde im Buch «Die Tochter des Jägers» von Lukas Hartmann verewigt. 
«Tierschmuggel»: Die Sonderausstellung widmet sich auch dem illegalen Elfenbeinhandel. 
 
 

Wissenschaft

In drei Abteilungen arbeiten am NMBE 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Einige Schlaglichter auf Forschungs- und Sammlungsarbeiten im alten und neuen Jahr. 
 
Sammlungen
In den letzten vier Jahren hat das Naturhistorische Museum einen Sondereffort geleistet, um die Erfassung seiner Sammlungen voranzutreiben. Dank einem Sonderkredit des Kleinen Burgerrats und internen Priorisierungen konnte überdurchschnittlich viel Arbeit bei der Erschliessung der Sammlungen geleistet werden. Seit 2012 wurden fast 650 000 Objekte digital erfasst. Im letzten Jahr leistete die Erdwissenschaften 378 % des Sollwerts, die Zoologie gar 905 %. Bei der Sammlungserfassung steht unser Haus, auch im Vergleich zu anderen Naturmuseen, sehr gut da. 
 
Erdwissenschaften
Im Januar 2015 fand eine Feldkampagne zur Meteoritensuche im Oman statt: Die sechs Teilnehmenden aus der Schweiz (2 NMBE) fanden 93 Meteoriten im Gesamtgewicht von 59.5 kg. Im Fokus war ein bisher wenig untersuchtes Gebiet im Südwesten des Oman am Rande der Sandwüste Rub’ al-Khali. Im Januar 2016 wird eine weitere Kampagne im Oman in Angriff genommen. 
2016 erhält das Museum die Sammlung der Fondation Paléonotologique Jurassienne FPJ als Geschenk. Es handelt sich um eine sehr umfangreiche und wertvolle Sammlung von Fossilien. Geschätzte Anzahl der Objekte: 40‘000. Geschätzter Wert der Fossilien: ca. 3 Mio CHF. Schwerpunkte dieser Sammlung sind Fossilien der Jurazeit aus dem Schweizer Jura (Kantone BE, JU, SO, AG, BL) und Fossilien aus dem liasischen Posidonienschiefer von Süddeutschland.
 
Wirbellose
Seit zwei Jahren hostet das NMBE den World Spider Catalogue (www.wsc.nmbe.ch). Er beinhaltet 45’800 beschriebene Spinnenarten. Das heisst: Registrierte Forscher können zu jeder Art die gesamte Literatur erheben – von 1757 bis heute. Das Besondere daran: Über 97% der Literatur sind als PDFs downloadbar. Das ist weltweit nur in der Schweiz möglich, da nur die Schweiz über  derart liberale Copyrightbestimmungen verfügt. Der WSC wird täglich im Schnitt 750-Mal aufgerufen. Sogar Nature, die weltweit angesehenste Zeitschrift der Naturwissenschaften, berichtete kürzlich über den WSC.
 
Wirbeltiere
Neuer Kauz aus der Wüste: Die Vögel sind eine sehr gut untersuchte Tiergruppe, jedes Jahr werden nur noch wenige neue Vogelarten entdeckt. Trotzdem konnte ein Forscherteam um unseren Ornithologie-Kurator Manuel Schweizer eine neue Eulenart, der Wüstenfahlkauz, neu beschrieben werden. Damit konnte ausserdem ein mehr als 100 Jahre altes Rätsel um einen seltenen Verwandten der neuen Art gelöst werden. Auch der Wüstenfahlkauz ist nur aus wenigen Schluchten der arabischen Halbinsel bekannt. 
Ausblick 2016: In der Froschforschung steht die Beschreibung einer weiteren Kröte an. Die Art ist nur bekannt von zwei isolierten Bergplateaus im Herzen Borneo's. Im kommenden Jahr werden zudem zwei internationale Forschungsprojekte, die untern anderem die kynologische Sammlung des NMBE nutzen, ihre Ergebnisse veröffentlichen. Dafür haben etliche Forscher unter Betreuung von Marc Nussbaumer an unseren Hunde-Objekten gearbeitet. 2016 ist eine Expedition nach China in den Osten Tibets geplant, um die dort lebenden Uferschwalben erstmalig untersuchen zu können. Anschliessende genetische Studien werden am NMBE durchgeführt.