Winterberg macht Feierabend

Datum: 
19. Februar 2016

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Seit zwölf Jahren verzücken Uwe Schönbeck als Hausmeister Winterberg und Professor Christian Kropf das Publikum mit ihrer satirischen Vorlesung – und vermitteln wissenschaftliche Themen auf witzige Weise. Nun hört das berühmt-berüchtigte Duo auf. Nächste Woche beginnt die zweitletzte Staffel. Zum krönenden Abschluss gibt es die letzte Vorlesung im Juni in einem grösseren Saal – zum Thema Elefant.

 

Alles begann vor zwölf Jahren mit einem Regenwurm. In der ersten Vorlesung von «Winterbergs Überstunde» sezierte der Konservator des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern, Christian Kropf, vor Publikum einen Regenwurm. Und Schauspieler Uwe Schönbeck kommentierte die Nekropsie – in der Rolle eines übellaunigen Hausmeisters. Schon als Dozent an der Universität hatte Kropf festgestellt: Mit Humor lernt es sich besser. In seinen Vorlesungen baute der Spinnenexperte schon damals hin und wieder einen Witz ein, um die Aufmerksamkeit seiner Studierenden nicht zu verlieren.
 
Was danach geschah, kann getrost als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Schönbeck und Kropf entwickelten das Scientainment-Format «Winterbergs Überstunde» - als noch niemand von Scientainment sprach. «Winterbergs Überstunde» verbindet Theater und Wissenschaft auf vorher nicht gekannte Weise und vermittelt mit viel Witz wissenschaftliches Wissen. Christian Kropf referiert über packende und aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung, Uwe Schönbeck nimmt als Winterberg den steifen, manchmal etwas arroganten und immer nervösen Wissenschaftler aufs Korn, stellt ketzerische Fragen oder gibt die Antworten gleich selbst. Auch wenn er gerne damit kokettiert: Ein Einfaltspinsel ist der liebenswerte Abwart keinesfalls – als heimlicher Schöngeist pflegt er eine Vorliebe für Gedichte. 
 
Dieses ungleiche Duo hat rasch Freunde gewonnen. Nach kurzer Zeit mussten die Abende wegen des grossen Erfolgs wiederholt werden – inzwischen werden die satirischen Vorlesungen pro Thema fünf Mal gehalten. Der Vorlesungssaal, der 200 Plätze fasst, ist beinahe immer ausverkauft. «Winterbergs Überstunde» hat Kultstatus und verfügt über eine treue Fangemeinde. An insgesamt 45 verschiedenen Themen arbeitete sich das ungleiche Paar ab. Dabei erlebten sie auch manch einen Glanzmoment: 2012 wurde die 100. Vorlesung im Garten des Naturhistorischen Museums mit einer «Feierstunde» zelebriert. 2014 gab es auf dem Bundesplatz «Die grosse Winterberg-Gala» vor 600 Zuschauerinnen und Zuschauer. 
 
Es sind daher Neuigkeiten, die bei den Fans nicht gut ankommen werden: Kropf und Schönbeck stellen «Winterbergs Überstunde» auf den Sommer ein. Getreu dem Stichwort: Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Für Kropf, der die Abteilung Wirbellose führt und an der Universität Vorlesungen hält, sind die satirischen Vorlesungen zwar eine Herzensangelegenheit, haben aber tatsächlich Überstunden bedeutet. So hat er sich jeweils in immer neue Forschungsgebiete einarbeiten müssen, die ausserhalb seines Tätigkeitsbereichs liegen. In seinen letzten Berufsjahren am Museum will er sich nun vermehrt der Pflege der Sammlungen und der Forschung widmen. Dass das Duo ab dem Sommer aber nie mehr zusammen auf einer Bühne stehen wird, daran darf man ruhig etwas zweifeln – dafür hatten die Beiden schlicht zu viel Vergnügen an den Vorlesungen. 
 
Abschied mit Pauken und Tröten
Diesen Montag startet die zweitletzte Runde mit dem Thema: « Auf der grünen Wiese... Über unsere artenreichsten Lebensräume». Tickets gibt es nur noch vereinzelte. Zum Abschied mit Pauken und Tröten kommt es dann im Sommer: Vom 30. Mai bis 3. Juni findet die letzte Vorlesung statt. «Dünnhäutige Dickhäuter – Was Sie schon immer über Elefanten wissen wollten», lautet der Titel. Die letzten fünf Vorstellungen werden ausnahmsweise im neuen, grossen Ausstellungsraum des Naturhistorischen Museums stattfinden, der derzeit im Umbau ist und im 2017 mit einer grossen Sonderausstellung eröffnet wird. Auch wird es ausnahmsweise einen Barbetrieb geben. 
 
Das Naturhistorische Museum Bern hat das gesamte Jahr den grauen Riesen gewidmet: Mehr Veranstaltungen im Rahmen des «Elefantenjahrs» finden Sie auf unserer Webseite.