Knochenarbeit ist ihre Leidenschaft

Datum: 
8. September 2015

Sie gräbt nach Fossilien und stellt Kopien davon her – und das tut sie mit einer solchen Präzision und Leidenschaft, dass sie dafür nun einen Preis erhält. Regina Hostettler erhält die Amanz-Gressly-Auszeichnung der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft (SPG). Als erste Frau.

 

Seit rund dreissig Jahren nimmt Regina Hostettler mit Leib und Seele an Grabungen und Bergungen von Sauriern, Seelilien und anderen spektakulären Fossilien teil. Dabei scheut sie weder Dreck noch mühselige Knochenarbeit. Mit viel Ausdauer und Präzision präpariert sie Fundstücke und fertigt Abgüsse an, die man kaum noch vom Original unterscheiden kann.
Hostettler ist eng mit dem Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern verbunden und arbeitet regelmässig für das Haus: Sie hat bereits zahlreiche Abgüsse von Fossilien erstellt und diese naturgetreu bemalt. Von Bedeutung ist diese Arbeit aus folgenden Gründen: Unzugängliche Objekte etwa können nachgebildet werden und so der Forschung zur Verfügung stehen. Da Fossilien oft leicht zerfallen, sind Abgüsse langlebiger. Und Kopien können problemlos für Forschungszwecke und Ausstellungen weitergegeben werden.
Auch die Institutionen Jurassica Porrentruy oder die Fondation Paléontologique Jurassienne Glovelier (FPJ) profitieren von Regina Hostettlers Erfahrung und technischen Kenntnissen. Die FPJ hat sie mitgegründet und ist bis heute mit dem Amt der Sekretärin betraut.

Regina Hostettler ist jüngst auf dem Säntis als erste Frau mit der Amanz-Gressly-Auszeichnung für herausragende Leistungen im Gebiete der Paläontologie gewürdigt worden. Dies freut sie besonders. «Ich hoffe, durch die Auszeichnung auch andere Frauen ermutigen zu können, bei Grabungen teilzunehmen und sich aktiv an paläontologischen Projekten zu beteiligen», sagt das langjährige SPG-Mitglied.

Ein Leben in einer paläontologischen Wunderwelt 
Ihre Leidenschaft für Fossilien teilt Hostettler mit ihrem Mann, dem Paläontologen Bernhard Hostettler, der am Naturhistorischen Museum Bern arbeitet. Vor dreissig Jahren hat er sie zum ersten Mal mit auf eine Grabung genommen und gleich mit seiner Begeisterung angesteckt. Damals hat sie noch als Kindergärtnerin gearbeitet. So ist es auch schon mal vorgekommen, dass Regina in einer Grube noch Fasnachtskleider für den Kindergarten fertig genäht hat. Mit grossem Stolz erzählt das Energiebündel von ihrem ersten Schädelfund – ein Ichthyosaurier: «Wenn man sowas aus dem Schiefer rausholt, ist man die erste Person der Welt, die dieses Objekt sieht. Das ist faszinierend.»  
Das Paar lebt in einer paläontologischen Wunderwelt. Das alte Bauernhaus in Glovelier (JU) dient als Wohnung und Atelier – und erinnert an ein Museum. Um die 15’000 Fossilienfunde schmücken das Haus. Immer wieder öffnen sie ihre Türen für Schüler und andere Interessierte. Am liebsten widmen sie sich die Zwei aber von morgens bis abends den Fossilien. Dabei unterstützen und inspirieren sich gegenseitig. «Er ist eher der Wissenschaftler und ich die Handwerkerin», meint Regina Hostettler schmunzelnd. So benutzt sie beispielsweise die Fotos der Doktorarbeit ihres Mannes als Vorlage für die Bilder, die sie malt.

Katzenprojekt und Naturgarten
Regina Hostettler ist sehr naturbezogen. Zu ihrem Haus gehört ein grosser  Wildpflanzengarten, der auch Fuchs und Igel anzieht. In Zusammenarbeit mit dem Tierschutz engagiert sie sich stark für kranke und verlassene Katzen. Sie beherbergte schon bis zu 20 Tiere  auf einmal.