Erfolgreiches letztes Jahr und erfreuliche News: Eluveitie spielt im NMBE

Datum: 
13. Januar 2015

Barry und Bar der toten Tiere prägten das letzte Jahr – Fossilien sorgen im neuen Jahr für die Musik

Vieles, was sich das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern in seiner neuen Strategie vorgenommen hat, hat sich im letzten Jahr erfüllt: Sich als Museum mit nationaler Ausstrahlungskraft zu etablieren und mit unkonventionellen Veranstaltungen junge Leute ins Haus zu holen. Mit 116’445 Besucher/innen kann Berns ältestes Museum erneut einen Grossandrang verzeichnen – trotz warmem Wetter. Fürs neue Jahr kann das Museum einen tollen Coup verkünden: Eluveitie, die derzeit international wohl erfolgreichste Schweizer Band, spielt ein exklusives Gratis-Konzert – im Rahmen der nächsten Ausstellung «Rock Fossils».

 
Bereits zum vierten Mal hintereinander knackt das Naturhistorische Museum Bern die magische Grenze von 100’000 Besucher/Innen. Im vergangenen Jahr besuchten 116’445 Personen das Naturmuseum im Kirchenfeld. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar ein leichter Rück-gang (2013: 118'303) – aber meteorologisch gesehen war 2014  nicht nur das wärmste Jahr seit Messbeginn, es war auch alles andere als ein Museumsjahr. Das warme Wetter im Frühling und Herbst verhinderten ein noch besseres Ergebnis. Der regnerische Juli war dagegen ein Segen: Das NMBE verzeichnete einen Besucherrekord. Die 14'990 Eintritte entsprechen etwa dem vier- bis fünffachen, die sonst in einem durchschnittlichen Monat Juli gezählt werden. 
 
Auch hier mag das Wetter eine Rolle gespielt haben, der Besucherrekord hat aber vor allem einen Grund: Barry. Das Naturhistorische Museum Bern hat seinem berühmtesten Bewohner eine neue Dauerausstellung gewidmet, die im Juni eröffnet wurde. Die Ausstellung bescherte dem NMBE hohe mediale Aufmerksamkeit in den nationalen Medien. Damit kommt das Haus seinem Ziel näher, ein Haus mit nationaler Ausstrahlung zu werden – dies ist in der aktuellen Strategie so formuliert. Da Pauschaleintritt gilt, kann der Erfolg einer einzelnen Ausstellung nicht in Eintrittszahlen ausgewiesen werden – eine museumseigene Umfrage (375 Teilnehmer) hat aber ergeben, dass in den Herbstmonaten 53 Prozent der Besucher/Innen wegen dem weltberühmten Lawinenhund ins NMBE gepilgert sind. Offenkundig zugenommen hat auch die Zahl der ausländischen Besucher/Innen, besonders der asiatischen. Jüngst hat die Ausstellung noch an Attraktivität gewonnen: Im «Photobooth» können sich die Besucher/Innen mit Barry ablichten lassen – das Bild kann ausgedruckt oder von der Webseite barry.museum heruntergeladen werden. Der Fotoautomat ist ausgesprochen beliebt. 
 
Die «verlorene Generation» zurückgewonnen
Auch ein zweites Ziel der aktuellen Strategie hat das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern in diesem Jahr erreicht: Es hat in der Besucherschicht der 20- bis 40-Jährigen zulegen können – ein Segment, in dem Naturkundemuseen fast schon traditionell schwach sind. Geschafft hat dies das NMBE mit unkonventionellen Events – das Veranstaltungsprogramm trägt seit diesem Jahr das Label «Hilfe, es lebt!». Hier ist in erster Linie die Bar der toten Tiere hervorzuheben. In der jüngsten Ausgabe schreibt die Berner Kulturagenda: «Die Bar der toten Tiere hat sich von null auf hundert etabliert.» Nach einem Pilotversuch im Frühling 2014 hat sich das Museum entschieden, die Bar inmitten der historischen Ausstellung «Tiere der Schweiz» weiterzuführen – in Anbetracht der wertvollen Objekte ein herausforderndes Unterfangen. Die zweite Staffel begann im November und dauert noch bis Ende Februar, sie hat mit prominenten Gästen (ua. Peter Schneider, Gülsha Adjili) und aufregendem Programm (ua. Live-Tätowieren, Poster-Bazar) aufgewartet. Mit durchschnittlich 500 Besuchern pro Freitag hat sich die Bar in kürzester Zeit zu einer festen Adresse im Berner Ausgangsleben gemausert. 
Zum ersten Mal stattgefunden hat in diesem Jahr das Mad Scientist Festival – eine einzigarti-ge Werkschau des jungen und aufstrebenden Genres Scientainment. Eine Sondervorführung von «Winterbergs Überstunde», einer satirischen Vorlesung mit dem Schauspieler Uwe Schönbeck lockte 600 Besucher auf den Bundesplatz. 
Unvergessliche Momente bescherten auch Matto Kämpf und Gabriel Vetter, die exklusive Programme zum Thema Natur und Tiere im Museum auf die Bühne brachten. 
 

Ausblick 2015: Eluveitie mit einem exklusiven Konzert im Naturhistorischen Museum!

Was hat harte Rockmusik mit Fossilien zu tun? Offenkundig eine ganze Menge: Es gibt Wissenschaftler, die neuen, bislang unbekannten Tierarten Namen geben, die Bezug auf den Fundort oder die Form geben. Und es gibt Wissenschaftler, die widmen eine neue Art ihrem liebsten Rockstar. Das macht die Sonderausstellung «Rock Fossils» zum Thema (18. März bis 31. Mai 2015): Sie zeigt die flammende Liebe von Paläontologen zu Motörhead & Co. «Rock Fossils» wurde erstmals im Geomuseum in Faxe (DK) gezeigt und sorgte für Furore. Vorgestellt werden nicht nur bizarre Fossilien, sondern auch die Namensgeber. So hört etwa ein furchterregender Wurm auf den Namen Kalloprion kilmisteri – benannt nach Ian «Lemmy» Kilmister von Motörhead. 
Und die Ausstellung wird krachend laut eröffnet: mit einem exklusiven Konzert von Eluveitie – der momentan wohl international erfolgreichsten Schweizer Band! Beim Auftritt im Skelettsaal des Museums am 18. März übergibt Bernhard Hostettler, Paläontologe am NMBE, der Band einen fossilen Seeigel, eine bislang unbekannte Art – er soll den Namen Paracidaris eluveitie erhalten. Es handelt sich um ein «Stachelhäuter» – mit wehrhaften Stacheln, aber einem zerbrechlichen Kern. Auch weist der Igel Ornamente auf, die von einem etruskischen Schmuckstück stammen könnten. Wenn das nicht passt: Beim Wort Eluveitie handelt es sich um die estruskische Form des keltischen Wortes Helvetios (‹der Helvetier›). 
Der Eintritt ist frei, die wenigen Tickets werden verlost – Infos dazu folgen am 1. Februar 2015 auf www.nmbe.ch. Zeitgleich wird das definitive Rahmenprogramm publiziert, das ebenfalls noch für die eine oder andere Überraschung sorgen könnte. 
 
Im Herbst 2015: Tierschmuggel, eine Ausstellung über ein verführerisch brutales Geschäft
Im Herbst wartet die nächste spannende Sonderausstellung, die vom Naturhistorischen Museum selber stammt: Tierschmuggel. Eine Sonderausstellung über die Folgen und Abgründe des internationalen Tierschmuggels. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, das seine Asservatenkammer erstmals öffnet – gezeigt werden eindrückliche, einzigartige Objekte hinter denen schreckliche, aber auch amüsante Geschichten stecken. 
 
 

Wissenschaft

In drei Abteilungen arbeiten am NMBE 22 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Einige Schlaglichter auf die Forschungsarbeiten im letzten und neuen Jahr. 
 
Erdwissenschaften
  • In der Abteilung Erdwissenschaften wirft die Ausstellung Rock Fossils ein Licht auf die eigene paläontologische Forschung des Hauses. Im September 2014 fand eine grosse Grabung in Anwil (BL) statt – einem Hotspot der Fossilien-Jäger, der aber bislang wissenschaftlich wenig untersucht wurde (Gemeinschaftsprojekt mit Archäologie und Museum Baselland und dem Naturhistorischen Museum Basel). Die Grabung wird das Team um Paläontologie-Kuratorin Ursula Menkveld noch Monate beschäftigen. Derzeit sichten die Paläontologen 9 Paletten mit Material – erst fünf Prozent des fossilienreichen Aushubs konnten bislang bearbeitet werden. Bei den Ammoniten wurden Exemplare aus 17 Gattungen entdeckt. Dazu fünf Seeigelarten und acht verschiedenen Armfüsser-Arten. Ob auch neue Arten entdeckt worden sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.
  • Ein wichtiger Schwerpunkt der Erdwissenschaftlichen Abteilung ist die Meteoritenforschung. Leiter Beda Hofmann gilt als Koryphäe in diesem Bereich. Im letzten Jahr unternahm Hofmann zwei Expeditionen nach Saudi-Arabien und in den Oman, die keine oder nur wenige Funde zu Tage führten, plant Hofmann im Januar-Februar 2015 die vierzehnte Suchkampagne in den Oman. Im Fokus sind dabei bisher wenig untersuchte Gebiete im Südwesten des Oman am Rande der Sandwüste Rub'al-Khali.
Wirbellose
  • Forscher der Abteilung Wirbellose beschrieben im letzten Jahr 29 neu entdeckte Spinnenarten aus Südostasien – dies im Rahmen der «Planetary Biodiversity Inventory». In diesem Projekt arbeiten unsere Wissenschaftler mit über 45 Forschenden weltweit zusammen. 
  • Der World Spider Catalog (www.wsc.nmbe.ch) wird seit 1. Juli 2014 vom NMBE gehostet, bisher wurde er am American Museum of Natural History betrieben. Er beinhaltet sämtliche Literaturzitate zu allen über 45‘000 Spinnenarten weltweit, alle Namen und alle derzeit gültigen Arten. Aufgrund des Swiss Copyrights kann das NMBE über einen Verein auch die copyright-geschützte wissenschaftliche Literatur praktisch für jeden zugängig machen – was ein absolutes Novum in der Wissenschaft darstellt. Bisher sind bereits 67% der gesamten Literatur in Form von PDFs im Katalog abgelegt. Normalerweise verliert ein Autor einer wissenschaftlichen Publikation alle Rechte auf die Publikation. Hier sind die grossen Wissenschaftsverlage federführend und haben – aus Sicht der Wissenschaft leider – einen richtungsweisenden Prozess gegen die ETH gewonnen.
 
Wirbeltiere
  • Die Wissenschaftler der Abteilung Wirbeltiere befassten sich im letzten Jahr unter vielen anderem unter anderem mit dem Verdauungstrakt von Papageien. Resultat der langandauernden Studie: Flüssige Nahrung aufnehmen zu können, war eine Schlüsselinnovation in der Evolution nektarfressender Papageien. Die Fähigkeit, flüssige Nahrung aufnehmen zu können, führte in vergleichsweiser kurzer Zeit zur Bildung neuer Arten.
  • Project Lac: Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) führt zusammen mit etlichen Partnern eine standardisierte Inventur der Fischfauna der tiefen voralpinen Seen durch. Mindestens 30 Individuen pro Art und pro See werden für eine dauerhafte Lagerung im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern präpariert. Sie bleiben so für künftige Forschungsprojekte erhalten. Mittlerweile wurden 7422 Fische aufgenommen. 
  • Dr. Stefan Hertwig, Leiter der Abteilung Wirbeltiere, wird im Februar/ März zu einer Forschungsreise nach Malaysia aufbrechen. Im berühmten Danum Valley, in einem Schutzgebiet im Nordosten von Borneo, wird er hauptsächlich nach Fröschen suchen.