Einblick in die Welt der Amphibien und Reptilien – erstes klassisches Diorama seit über dreissig Jahren

Datum: 
28. April 2016
Im Frühling erwachen die Amphibien und Reptilien: Molche wandern zu ihren Tümpeln, Frösche quaken und manchmal lässt sich eine Eidechse beobachten. Im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern wird zur richtigen Zeit ein neues Diorama eröffnet, in dem die Vielfalt der einheimischen Lurche und Kriechtiere lebensnah zu bestaunen ist. 
 
Anknüpfend an die lange Tradition von Dioramen mit Tieren aus aller Welt, hat sich das Museum für den Bau eines neuen Dioramas entschieden, um diese weniger bekannten Tiere in ihrem Lebensraum zeigen zu können. Dioramen heissen die Schaukästen, in denen die Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen gezeigt werden und die eine Illusion von räumlicher Tiefe erzeugen. Die historischen Dioramen des Naturhistorischen Museums gelten bis heute in der europäischen Fachwelt als Perlen. 1984 hat das NMBE zum letzten Mal ein klassisches Diorama eröffnet. In der Tat sind diese etwas aus der Mode geraten, faszinieren unsere grossen und kleinen Besuchenden bis heute – auch als wohltuender Kontrapunkt im digitalen Zeitalter.
 
Das neue Diorama zeigt einen Querschnitt durch Lebensräume von Reptilien und Amphibien in der ursprünglichen Landschaft der Schweiz. Und damit ist schon ein entscheidender Punkt angeschnitten: diese Lebensräume gibt es immer weniger. Gerade Amphibien und Reptilien leiden stark unter dem Verlust ihrer Biotope und Fortpflanzungsgewässer durch Zersiedelung und Nutzung naturnaher Flächen. Die Mehrzahl der 29 gezeigten Arten ist selten oder sogar bedroht.  
 
Auch im Schaukasten sind einige in der Schweiz sehr rare Arten zu sehen. Zum Beispiel der Italienische Springfrosch, der im südlichen Teil des Tessins vorkommt. Auch nur sehr lokal verbreitet ist die einzige Schildkröte der Schweiz, die Europäische Sumpfschildkröte. Zwar gibt es Wiederansiedlungsbemühungen, derzeit gibt es aber nur bei Genf eine überlebensfähige Population. Weitere Bedrohungen für Reptilien sind das Einschleppen fremder Arten (Würfelnatter am Genfersee, welche die Vipernatter bedrängt) oder Krankheiten (Pilzinfektionen bei Fröschen). Die 1,5 Millionen Hauskatzen in der Schweiz verschärfen das Problem zusätzlich, etwa bei der Zauneidechse. 
 
Das Diorama ersetzt eine Vitrine, die etwas in die Jahre gekommen war. Die Mehrzahl der Objekte wurde neu präpariert, von unseren eigenen Präparatoren und von Spezialisten der Museen in Erfurt und Jena. Bei den Objekten handelt es sich um Abgüsse aus Kunststoff. Es wurden keine Tiere getötet, um diese herzustellen. Die Modelle wurden mithilfe von Totfunden oder an lebenden Tieren erstellt. Die Anfertigung solcher Abgüsse gilt als anspruchsvolle Aufgabe, daher gibt es bei Amphibien und Reptilien wenige hochstehende Präparate. Wir sind daher glücklich um die tolle Qualität der Objekte.
 
Hauptsächlich finanziert hat das Diorama der Verein des Naturhistorischen Museums mit einem grosszügigen Beitrag von 35 000 Franken. 
 
Projektgruppe:
Projektleitung/ wissenschaftliche Leitung: Stefan Hertwig, Leiter Wirbeltiere
Gestaltung: Thea Sonderegger, Gestalterin NMBE
Hintergrundmalerei: Martin Ryser, Museumspädagoge NMBE