Ein Bahnhof-Wartehäuschen dient der Forschung

Datum: 
9. Juli 2014
Das Naturhistorische Museum Bern richtet an einem BLS-Gebäude in Ausserberg – an der Südrampe des Lötschbergs – eine Insektenfalle ein. Der Standort ist aussergewöhnlich artenreich. Dank der Insektenfalle, die von der BLS ermöglicht wurde, besteht die Chance, neue Arten zu entdecken.
 
Hannes Baur wandert gerne. Und das hat dazu geführt, dass der Insektenforscher vom Naturhistorischen Museum Bern eine spektakuläre Entdeckung gemacht hat. Entlang der Südrampe, dem Wanderklassiker am Lötschberg, bemerkte Baur, dass das BLS-Wartehäuschen bei Ausserberg eine eigentliche Insektenfalle darstellt – an den Glasscheiben verfingen sich nicht nur viele, sondern auch viele besondere Insektenarten. Unter anderem Erzwespen, die für Baur einen Forschungsschwerpunkt darstellen. Seither kehrt Baur regelmässig nach Ausserberg zurück, um Insekten zu sammeln. Dank Unterstützung der BLS ist es dem Wespenspezialisten nun möglich, die grosse Vielfalt systematischer zu untersuchen. Am Stationsgebäude darf das Naturhistorische Museum Bern Fallen anbringen – diese erlauben es, Insekten und ihre Häufigkeit über das ganze Jahr hinweg zu erfassen. Es besteht sogar die Chance, dass hier neue Arten entdeckt werden. 
 
Am Stationsgebäude wird ein Tafel installiert, die den Reisenden Informationen auf Französisch und Deutsch bietet. Auf einem Blog werden Funde laufend dokumentiert: www.ausserberg.tumblr.com.
 
Erzwespen sind Hautflügler, zu denen auch Bienen, Wespen und Ameisen gehören. Im Unterschied zu diesen führen sie jedoch eine parasitische Lebensweise. Weibchen der Erzwespen legen ihre Eier nämlich meist in andere Insekten, oft in die Eier, Raupen oder Puppen. Die Erzwespenlarve ernährt sich dann von ihrem Wirt und tötet diesen schliesslich ab. Erzwespen sind somit wichtige Gegenspieler von pflanzenfressenden Insekten. In der Landwirtschaft werden sie daher oft zur Bekämpfung von Schädlingen eingesetzt. 
 
Kontakt: Hannes.Baur(at)nmbe.ch