Die Elefanten unter den Käfern

Datum: 
13. September 2016

Sie sind zwar nur ein Ersatz, aber dafür ein spektakulärer: Ein Pärchen Elefantenkäfer bewohnt derzeit das Formicarium, die Ameisenanlage im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern. Elefantenkäfer gehören zu den grössten Käfer weltweit und zeichnen sich unter anderem durch eine spezielle Kampftechnik aus. Doch bei diesen  Kämpfen um die weiblichen Käfer spielen neben Kraft und Grösse, auch Köpfchen eine Rolle.

Schwinger drücken ihren Gegner ins Sägemehl. Elefantenkäfer hingegen versuchen ihren Konkurrenten vom Baum zu werfen. Die Kampftechnik ist jedoch vergleichbar: Mithilfe der Hörnern, Vorderbeine und der Hebelwirkung versuchen die riesigen Käfer ihr Gegenüber vom Ast zu befördern. Natürlich geht es bei diesem Kräftemessen um die Gunst der Damen. So nützt der Gewinner nämlich die Zeit, die der Verlierer benötigt wieder auf den Baum zu klettern, um das umworbene Weibchen zu begatten.

Grosse Kämpfer gegen kleine Denker

Interessant ist, dass aber nicht nur die Kräftigsten eine Chance haben, ihr Genmaterial weiterzugeben. Die Käfer, die aufgrund der Umweltbedingungen während ihres Larvenstadiums
eher klein ausgefallen sind, weisen auch kürzere Hörner auf. Den aussichtslosen Kampf gegen überlegene Konkurrenten gehen die Kleinen erst gar nicht ein, sondern kommen mit List und Tücke ans Ziel. Duellieren sich zwei gross gewachsene Elefantenkäfer und sind in ihren Zweikampf vertieft, befruchtet der kleine Schlaue das Weibchen. Offenbar interessieren sich die weiblichen Käfer nicht nur für Stärke und Grösse, sondern vor allem für erstklassiges Erbgut für die nächste Generation – und dieses bringen die Cleveren  genauso mit. 

 

Elefantenkäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer und ernähren sich von Baumsäften und überreifen Früchten. Ursprünglich kommen die Grössten unter den Käfern in Mittel- und Südamerika vor, die Bewohner im Naturhistorischen Museum stammen aber von einem privaten Züchter aus Unterterzen, St. Gallen. Trotz ihrer Körpergrösse von bis zu 12 Zentimeter können die Elefantenkäfer im Prinzip fliegen, aber dazu benötigt es ein sehr feuchtes Klima. 

 

Wie die Eltern so die „Engerlinge“

Den Namen verdanken die Käfer ihrem langen Horn, welches stark an den Rüssel des grauen Riesen erinnert. Nicht zuletzt war dieser Zusammenhang ausschlaggebend, die Riesen unter den Käfern im Elefanten-Jahr auszustellen.  Auch die Larven sind mit bis zu 10 Zentimeter Länge riesig und weisen mit einem Gewicht bis zu 100 g deutlich Babyspeck auf. Nach einem Larvenstadium von ca. 2 Jahren, verpuppen sie sich für ungefähr einen Monat und starten ins vergleichsweise kurze Erwachsenenleben. Dieses dauert für die Männchen zwei bis drei Monate und für die Weibchen rund sechs Monate.  

 

Die Larven im des Naturhistorischen Museum, nähern sich schon bald dem Ende ihrer Teenagerzeit. So ist es möglich, dass die Besucher bereits im Herbst verpuppte Elefantenkäferlarven in der Erde finden können, welche dann nach einem Monat Verpuppungszeit schlüpfen und - vielleicht ja kampfeslustig - loskrabbeln. 

 

Im Frühjahr wird erneut versucht ein Gebirgsbergameisenvolk aus seinem Bau zu locken und im Formicarium einzuquartieren. Da dieser Vorgang jedoch sehr fest vom Klima in den Monaten Januar und Februar abhängt, bleibt nur zu hoffen, dass die Natur dieses Jahr mitspielt.

 

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