Der Wespenexperte rät: «Lassen Sie Wespennester entfernen – aber die richtigen!»

Datum: 
24. August 2015

Kaum jemand hierzulande kennt Wespen so gut wie Hannes Baur, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern. Er rät, Wespennester von einem Spezialisten entfernen zu lassen – aber nur jene der aggressiven Arten. Oft werden nämlich Nester von harmlosen Wespen entfernt. Von abenteuerlichen Vergrämungsmethoden hält er wenig. 

 
Alle nerven sich derzeit ob den vielen Wespen. Gibt es dieses Jahr wirklich eine Plage?
Nein, das glaube ich nicht. Es ist eigentlich ein normales warmes Jahr. Im Spätsommer gibt es immer viele Wespen. Die verzerrte Wahrnehmung kommt wahrscheinlich auch vom letzten kühlen Sommer. Nasskalte Temperaturen lassen die Populationen zusammenfallen. 
 
Aber es ist doch eklatant zur Zeit: Kaum hat man das lauschige Abendessen begonnen, kommen die ersten Plagegeister angeflogen. 
Wenn es warm ist, sind Wespen aktiver – der Eindruck kann auch daher rühren. Ob die tat-sächliche Zahl der Wespen massiv höher ist als in anderen Jahren, das bezweifle ich. 
 
Wespen haben einen schlechten Ruf, dabei sind die Quälgeister eigentlich eine Minderheit in der sonst eigentlich recht friedlichen Wespen-Familie.
Richtig, einzige die Gemeine und die Deutsche Wespe gehören zu den aggressiven Arten. Nur diese beiden Arten kommen an den Frühstückstisch und verhalten sich auch mal aggressiver. Gelbschwarze Wespen, die auch stechen können, gibt es ungefähr zwanzig Arten. Ausser den beiden genannten Arten stechen die Wespen nur in Bedrängnis. Die Hälfte der gelbschwarz gefärbten Wespen sind Feldwespen, sie bilden nur kleinere Kolonien mit 40 bis 50 Individuen – diese sind absolut harmlos.
 
Wie erkenne ich, ob es sich um eine harmlose oder aggressive Arten handelt?
Nicht einmal ich erkenne das auf den ersten Blick. Um eine Wespe zu bestimmen, muss ich ein Belegexemplar in Ruhe unter die Lupe nehmen können. Neben den Verhalten kann man die Wespen am Besten anhand ihrer Nester unterscheiden. 
 
Und wie?
Die Gemeine und Deutsche Wespe bauen nie ein kugeliges, freihängendes Gebilde. Sie bauen ihre Nester stets in Hohlräume, etwa in Mäuselöcher oder im Holz. Die Kolonien können aus 5000 bis 10 000 Individuen bestehen.
 
Was soll man tun, wenn man ein Wespennest im Garten entdeckt?
Das Nest von einem Spezialisten entfernen lassen. Wovor ich abrate: Das Nest selber entfernen zu versuchen. Die Gefahr, angegriffen zu werden, ist nicht zu unterschätzen. 
 
Das erstaunt mich: Ein Wespenexperte rät dazu, Wespen zu töten...
Die beiden genannten Wespenarten sind überhaupt nicht gefährdet, das hat keine nachhaltige Wirkung auf die Natur. Wenn Privatleute aber selber mit Gift hantieren und viel davon verwenden, kann das eher einen schädlicheren Einfluss auf die Umwelt haben, als wenn ein Schädlingsbekämpfer gezielt ein Nest entfernt. Ich habe aber eine wichtige Botschaft....
 
Und die lautet?
Entfernen Sie nur die Nester der beiden aggressiven Arten. Kugelförmige Nester kann man stehen lassen, da diese nur von harmlosen Wespen gebaut werden – ausser sie hängen an exponierter Stelle, etwa an einem Fensterladen. 
 
Gibt es keine Methoden, um die Wespen vom Tisch zu verscheuchen. Ein Freund erzählte mir, man solle Kaffeepulver verbrennen...
Es geistern viele Märchen herum, wie man Wespen verscheuchen kann. Natürlich kann man sich in dichten Rauch hüllen, das mag helfen, ist aber bestimmt nicht gemütlich. Sonst kenne ich keine praktikable Methode. Nur das Nest zu entfernen, ist eine nachhaltige Lösung. 
 
Wespen haben ein schlechtes Image. Nerven die Tiere eigentlich nur oder haben sie auch gute Seiten?
In der Natur nehmen sie eine enorm wichtige Funktion ein. Sie vertilgen sehr viele Insekten, darunter auch Schädlinge – zum Beispiel die Kohlweisslingsraupe. Sie sorgen dafür, dass gewisse Insekten nicht überhand nehmen, sind also eine Art Gesundheitspolizei. Zudem stellen sie selber Nahrung für Vögel dar. 
 
Und was soll man tun, wenn man gestochen wird?
Ich rate dazu, eine Salbe gegen die Schmerzen aufzutragen und zu beobachten, ob eine allergische Reaktion erfolgt. Das ist zum Glück sehr selten. Das Gift der Wespen ist vier Mal giftiger als jenes der Honigbienen, unserem grossen Sympathieträger.