Das Ticket für «Die Nashörner» ist auch ein Gratiseintritt in unser Museum

Datum: 
8. März 2016

Die Nashörner waren schon mal in Bern

Ab 23. Juni 2016 bringt das Theater Gurten unter der Regie von Livia Anne Richard das Stück «Die Nashörner» von Ionesco auf die Bühne. Das Naturhistorische Museum ist Partner. Das Ticket für das Theater Gurten 2016 gilt als einmaliger Gratiseintritt ins Museum. Grund für die Kollaboration: Das Naturhistorische Musem hat in Sachen Nashörnern auch einiges zu bieten.  
Vor 150 Jahren gruben Zuchthäusler in der Engehalde einen mehr als 20 Millionen alten Nashornschädel aus, der im Keller des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern lagert. In den Ausstellungen sind aussergewöhnliche Nashorn-Präparate zu bewundern – darunter ein Nördliches Breitmaulnashorn, eines der seltensten Tiere der Welt. 
1850 gruben Zuchthäusler mit Schaufeln und Pickeln unterhalb der Inneren Enge in Bern den Sandstein und Mergel ab und errichteten die Tiefenaustrasse. Dabei fanden sie Versteinerungen. Wie in älteren Arbeiten beschrieben ist, wurden leider diese «Knochen und Zähne einer grösseren Thierart von den Arbeitern arg zerstört». Dennoch übergab der Aufseher diese Schätze ans Museum.
Unter den Funden waren auch die fossilen Überreste eines Nashorns: ein Schädel, ein vollständiger Unterkiefer, weitere Kieferfragmente, Zähne und Einzelknochen. 2003 wurden die Nashorn-Fossilien neu bearbeitet und als Diaceratherium lemanense bestimmt. Die Funde stammen aus dem Miozän und sind etwa 23 bis 20.Mio Jahre alt. Von den meisten Wirbeltieren sind leider nur als Einzelteile erhalten. Nach dem Tod der Tiere wurden deren Reste vermutlich vom Wasser mitgerissen. Die Fundstelle Engehalde war eher nicht der ursprüngliche Lebensraum. 
Beim Bau des Neufeldtunnels wurden ebenfalls Gesteine der Unteren Süsswassermolasse freigelegt. Regelmässige Begehungen auf dieser Baustelle brachten zwar keine neuen Funde von Nashornresten, dafür Rest anderer Tiere, etwa Urhirschen. Die Fossilfunde belegen, dass in der Region Bern damals, mit den Nashörnern auch Schildkröten, Urschweine, Urhirsche, Nagetiere, Fleischfresser (wie Marderartige oder Hundeartige), Schnecken und andere Tiere gelebt haben. An Pflanzen kamen Kiefern, Erlen, Zimtbäume, Weiden sowie Palmen vor.
Das Vorland der entstehenden Alpen, das heutige Mittelland, war unter dem damaligen subtropischen Klima mit buschlandartigen Übergängen von Wald in Prärie ideal für Bewohner wie Nashörner. Mit Spannung erwarten die Paläontologen des Naturhistorischen Museums Bern nun den Beginn des Ausbaus des Bahnhofs Bern mit der Umgestaltung des RBS-Bahnhofs. Diese Baustelle wird in Gesteinen der Unteren Süsswassermolasse zu liegen kommen: Werden bei den Arbeiten wohl weitere Nashornreste entdeckt?
 
Die letzte Ruhestätte des Nördlichen Breitmaulnashorns
Das Naturhistorische Museum Bern verfügt aber auch über mehrere aussergewöhnliche Präparate von noch lebenden Nashörnern – mit Betonung auf «noch». Weltweit existieren noch drei lebende Nördliche Breitmaulnashörner. Es ist unvermeidlich, dass die Tierart in wenigen Jahren ausgestorben sein wird. Das Naturhistorische Museum Bern kann lediglich noch als Gedenkstätte dienen – hier ist ein Exemplar des seltensten Grossäugetier der Welt zu sehen. Zusammen mit dem Südlichen Breitmaulnashorn und dem Spitzmaulsnashorn ist es in der Afrika-Ausstellung zu finden. Die Dioramen gehen auf eine Sammlung afrikanischer Grosstiere zurück, die durch den in London ansässigen Berner Kunstmaler und Grosswildjäger Bernhard von Wattenwyl zusammen mit seiner Tochter Vivienne während einer Expedition in Kenia in den Jahren 1923 bis 1924 erlegt wurden.
Die «Asien»-Ausstellung wartet mit zwei Panzernashörnern auf. Die Präparate stammen aus dem Basler Zoo, sind aber direkte Nachfahren von wild gefangen Tieren. Diese wurden in der Provinz Assam in Nordosten von Indien im Nationalpark Kaziranga gefangen. Aus diesem Nationalpark  stammen auch die Elefantengräser, die das Diorama schmücken. Um diese Gräser zu sammeln, organisierte das Museum 1975 eigens eine Expedition nach Assam.
Im Skelettsaal sind zudem die Gebeine eines Javanashorns zu sehen, leider ebenfalls akut vom Aussterben bedroht. Das Sumatranashorn ist zwar nicht ausgestellt, aber auch von ihm lagern Objekte in der wissenschaftlichen Sammlung.
Die Hörner von Nashörnern wurden schon lange Zeit in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet und dafür bejagt. In jüngster Zeit hat die Wilderei von Nashörnern nicht nur in Asien, sondern auch in Afrika massiv zugenommen. Während im Jahr 2007 in Südafrika noch 13 Stück gewildert wurde, waren es 2014 über 1200. Die aktuelle Sonderausstellung Tierschmuggel beleuchtet diese dramatische Entwicklung. 
Nach Nashorn wird nicht nur in der freien Natur gejagt, sondern auch in Museen. Seit 2011 sind in verschiedenen europäischen Museen Nashornhörner gestohlen worden. Das ist der Grund, warum alle unsere ausgestellten Nashörner keine echten Hörner mehr haben und nur noch Holzattrappen zur Schau stellen.