Dank Schenkung: Naturhistorisches Museum wird zum Wissenszentrum für die Jurazeit

Datum: 
29. Juni 2017

Die Fondation Paléontologique Jurassienne (FPJ) hat in den letzten vierzig Jahren eine der bedeutendsten Fossilien-Sammlungen der Schweiz aufgebaut – nun gehen die 40 000 Fossilien ans Naturhistorische Museum Bern über. Damit steht Wissenschaft und Öffentlichkeit ein riesiger paläontologischer Schatz zur Verfügung. Dank einer Dauerleihgabe des Kantons Jura kann die Sammlung zusammenbleiben und gelangt nun als Ganzes nach Bern. Das Naturhistorische Museum Bern wird zu dem Forschungsstandort in der Schweiz für Versteinerungen der Jurazeit. 

Die Sammlung von Jura-Fossilien im Naturhistorischen Museum Bern ist um einen Schlag doppelt so gross geworden und hat ihren Wert vervielfacht. Der Grund: Die Fondation Paléontologique Jurassienne (FPJ) hat ihre Sammlung dem Naturhistorischen Museum Bern übergeben. Die Fondation ist eine Vereinigung passionierter Fossiliensammler. Sie wurde vor zwölf Jahren mit dem Ziel gegründet, eine möglichst umfassende Sammlung jurassischer Fossilien zusammenzutragen und der Öffentlichkeit und Wissenschaft zugänglich zu machen. Mit der Schenkung erreicht die Stiftung ihr Ziel, die wertvollen Versteinerungen auf Dauer an ei-nem Ort, sicher und professionell aufzubewahren. Beim Naturhistorischen Museum Bern (NMBE) handelt es sich um eines der grössten Naturmuseen der Schweiz, die Institution der Burgergemeinde Bern existiert bereits seit 1832. In den Sammlungsräumen an der Bernastrasse wird in Zukunft die umfassendste Sammlung von Fossilien aus dem Gebiet der Nordwestschweiz und angrenzenden Gebieten lagern. Sie bietet einen kompletten Überblick über die verschiedenen ehemaligen Lebensräume der einzelnen Gesteinsschichten des Juras. 
Fossilien von wissenschaftlichem Wert, die auf dem Boden des Kantons Jura gefunden wer-den, etwa 10 Prozent der FPJ-Sammlung, gehören gemäss Gesetz auch jenem. Der Kanton Jura übergibt diese Fossilien mittels Dauerleihgabe in die Obhut des NMBE. Das Musée Jurassica in Porrentruy erhält dieselbe Möglichkeit wie das NMBE, die gesamte Sammlung für Ausstelllungen und wissenschaftliche Zwecke zu nutzen. Das sind Eckpunkte eines Dreieckver-trags, der zwischen FPJ, der République et Canton du Jura RCJU sowie dem Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern NMBE unterzeichnet wurde. Der Vertrag nützt allen Parteien, entlastet den Kanton Jura und stellt die weitere Zusammenarbeit der drei Parteien sicher, wie sie bereits bei der Sonderschau «Jura» bestens funktioniert hat. In einem feierlichen Akt wurde am 9. Mai 2017 die Sammlung offiziell übergeben. 
 
Ammoniten, Schildkröten und Krokodile
Die Mitglieder der FPJ haben in den letzten 40 Jahren mit Sorgfalt und Leidenschaft mehr als 40‘000 Fossilien zusammengetragen, darunter Ammoniten, Muscheln, Schnecken oder Reste von Schildkröten und Krokodilen. So entstand eine der eindrücklichsten und am besten dokumentierten privaten Fossiliensammlungen der Schweiz. Die Objekte sind mit genauen Funddetails bezeichnet und teils bereits professionell präpariert. Und sie birgt ein grosses Po-tential für Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen – viele Fossilien konnten bereits vor einigen Jahren in der Sonderschau «Jura» in Bern und Porrentruy gezeigt werden. Die Sammlung war und ist eine wichtige Grundlage wissenschaftlicher Arbeiten, auch international bekannt und geschätzt. Für das NMBE ist die Schenkung ein Glücksfall, verfolgt das Museum im Be-reich Paläontologie länger schon den strategischen Schwerpunkt «Jura Schweiz und direkte Umgebung». Daher ist das Museum auch bereit, die entstehenden Kosten zu tragen – es baute unter anderem die Kelleranlagen zur Unterbringung der Sammlung aus und übernimmt die kostenintensive Pflege. Zwischen der Fondation und dem Museum bestehen auch personell enge Bande: Der Präsident, Bernhard Hostettler, und ein weiteres Mitglied, Gino Bernasconi, arbeiten in der Abteilung Erdwissenschaften am NMBE.
Mit der Schenkung hören die Mitglieder der FPJ aber nicht auf, zu graben und zu präparieren. Bestimmt stossen sie auf neue wissenschaftlich interessante und spektakuläre Fossilien, wo-mit auch die Sammlung stetig weiterwächst.